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Freitag, 26. Juni 2009

Armut

Darf ich vorstellen, Armut, eine ständig wachsende Gesellschaftsgruppe. Viel versteckt, aber auch oft nicht beachtet. Armut bedeutet Angst und Schmerzen, schlechter Schlaf und schlechtes Essen. Hat wirklich jeder die Chance? Ist uns wirklich alles offen? Ist es unsere Entscheidung, welche Schuhe wir tragen? Sind wir alle gleich viel Wert? Wieso kann ich all diesen Menschen mit ihren traurigen Gesichtern, mit verfranzten Jeans, mit alten Plastiksäcken und kaputten Turnschuhen nicht in die Augen schauen? Wieso vertrage ich ihre Blicke nicht? Es ist wie ein stiller Schrei, der schrill in mir dröhnt, wenn sich unsere Blicke kreuzen. Wieso schaust du mich von dort an und ich dich von hier? Wer hat das gewollt? Du? Ich? Dein Gott? Mein Gott? Unser Gott? Gibt’s einen Gott für dich? Bin ich gottlos? Was bringt es wenn ich dir jetzt Geld gebe? Damit erkläre ich mich dann einverstanden, dass du ein Armer bist und auf mich, der ich zwar kein Reicher aber auch kein Armer bin, angewiesen bist. Und du nimmst mein Angebot an, wir beschließen diesen Pakt, der uns, dich auf die Tatsache, dass du ein Armer bist und mich, auf die Tatsache, dass ich einer, dem ein Euro mehr oder weniger gleichgültig ist, bin, diskreditiert und ich meine wir diskreditieren uns beide. Wir beschreiben uns als etwas, dass wir nicht gewählt haben. Aber weißt du’s besser? Wieso solltest du dir überhaupt derlei Gedanken machen? Klar, dass ich derjenige bin, der da denkt, und was ist das für ein Beitrag? Ich will nicht, dass du dich so fühlst. Wie schmerzhaft ist dein Blick, und wie viel schmerzhafte Blicke gibt es? Und wie viele Menschen mit diesem, deinem Blick wandern hier täglich vorbei? Und wie viele Menschen mit diesem, deinem schmerzhaften Blick sind hier schon je vorbeigegangen? Meine Güte, was könnte das für eine Zahl sein? Was auch immer die Zahl aussagt, es ist eine Zahl wie Eins. Eins ist genauso eine Zahl wie jede andere auch. Was mache das für einen Unterschied ob du jetzt die Erste bist, oder ob vor dir schon eine große Zahl da war? Für mich keinen. Es ist dein Blick der weh tut.

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