Kuschelsex
Ja, ich gebe es zu, ich konnte nicht widerstehen, es packte mich schließlich förmlich. Mich meinen voyeuristischen Ambitionen beugend, habe ich es getan: Ich ging auf eine namhafte Single Homepage und habe alle Frauen in meinem Alter im Umkreis von und in Amstetten, meinem Kindheits- und Jugendort, durchgeforstet. Das Ergebnis war geradezu erschreckend!
Ein Sammelsurium bekannter Gesichter, denen ich als präpubertierender, pubertierender und auch als postpubertierender immer wieder über den Weg gelaufen bin, mit manchen kurz unterhalten, mit den meisten jedoch nie ein Wort gewechselt, glotzten sie mich jetzt, nach jahrelangem Schweigen, nachdem ich schon die längste Zeit nicht mehr in Amstetten lebe, ja mittlerweile schon drei Mal meinen Wohnsitz gewechselt habe, plötzlich an, diese Mädchen, die sich teilweise in adrette Frauen verwandelt haben, mit einem derart verlangendem, hoffnungsvollem und inbrünstigem Blick, der meinen Puls in die Höhe schnellen lies.
Und ich muss es ehrlich sagen, ich habe nicht danach gefragt, es wurde mir sofort, ohne das ich es wissen wollte, offengelegt, Brigitte will Kuschelsex! Und Sandra auch. Diese beiden, die mir immer wie eine Betonwand erschienen sind, haben sich also nur hinter dieser mir erscheinenden Betonwand schüchtern versteckt und haben die ganze Zeit an nichts anderes gedacht, als an einen verständnisvollen Mann, der mit ihnen über weltliche Dinge spricht, vielleicht mit ihnen einen Spaziergang macht und von Naturphänomenen, beziehungsweise, beim Picknicken über seine kulinarischen Vorlieben daherredet und danach zu Hause Kuschelsex will. Darum ging es euch also. Wieso dann diese jahrelange Verschlossenheit? Es ist doch nicht schlimm, wenn man Kuschelsex will. Ich habe nachgeforscht und man kann zwischen acht verschiedenen sexuellen Vorlieben wählen, die man jeglichem Suchendem sofort auf das Auge drücken kann, bevor dieser sich auch nur ansatzweise für eure Interessen, politischen Einstellungen oder Hobbys informieren kann und Kuschelsex ist da noch die harmloseste Variante.
Und letztens gehe ich durch dieses Einkaufszentrum in Amstetten und beim Café denke ich kurz darüber nach, ob ich mir eines dieser zweitklassigen Früchteeise die man in Amstetten bekommt, kaufen soll und da fährt es wie ein Blitz durch meinen Körper, als ich dich, Brigitte, dort sitzen sehe im Café. Mit einem zweitklassigen Eis in einem zweitklassigen Café in diesem zweitklassigen Einkaufszentrum in dieser Stadt. Und ein Blick war genug und mir wurde klar, dass deine Situation gerade zweitklassig ist. Nicht wissend was du sagen solltest, saß dir ein 40-jähriger mit Schnauzbart gegenüber. Dein nervöser genervter Blick verriet, das er wohl der einzige war, der dich nach langer Zeit auf dieser Seite "angestupst" hat, und dir in einer zweitklassigen Art vorgeschlagen hat, in dieses zweitklassige Café zu gehen. Wahrscheinlich eine 40-Jährige Jungfrau die Kuschelsex will, dachte ich. Brigitte, deine Abneigung war allgegenwärtig. Aber was willst du auch?
Jeder kann sich doch noch an diese Werbung erinnern, vor rund einer Dekade lief sie fortwährend im TV. Ein junger Mann, am Land an einem See oder Fluss lebend, verabschiedet sich von seinem Vater und behauptet er gehe in die Stadt. Er geht natürlich nur in sein Arbeitszimmer und gibt ein: „Kuschelsex“. Und am Abend nachdem der Vater ihn fragte, wie es gelaufen sei, erzählt er stolz, er hätte jemand kennenlernt. Und schwups, ist sie da, ein Bild von einer Frau lässt sich vom Fährmann zu diesen zwei Männern in die Einöde fahren. So wurde uns das Internet vor der Jahrtausendwende schmackhaft gemacht! Und? Wo ist jetzt diese Realität? Brigitte lebt in einer Stadt, zwar nur in einer zweitklassigen Kleinstadt aber immerhin. Diese 40-Jährige Jungfrau steht in keiner Relation zu dieser Frau im Boot. Was tun also, wenn man trotz Internet sein Leben lang nicht aus seiner Haut heraus kann?
Ein Sammelsurium bekannter Gesichter, denen ich als präpubertierender, pubertierender und auch als postpubertierender immer wieder über den Weg gelaufen bin, mit manchen kurz unterhalten, mit den meisten jedoch nie ein Wort gewechselt, glotzten sie mich jetzt, nach jahrelangem Schweigen, nachdem ich schon die längste Zeit nicht mehr in Amstetten lebe, ja mittlerweile schon drei Mal meinen Wohnsitz gewechselt habe, plötzlich an, diese Mädchen, die sich teilweise in adrette Frauen verwandelt haben, mit einem derart verlangendem, hoffnungsvollem und inbrünstigem Blick, der meinen Puls in die Höhe schnellen lies.
Und ich muss es ehrlich sagen, ich habe nicht danach gefragt, es wurde mir sofort, ohne das ich es wissen wollte, offengelegt, Brigitte will Kuschelsex! Und Sandra auch. Diese beiden, die mir immer wie eine Betonwand erschienen sind, haben sich also nur hinter dieser mir erscheinenden Betonwand schüchtern versteckt und haben die ganze Zeit an nichts anderes gedacht, als an einen verständnisvollen Mann, der mit ihnen über weltliche Dinge spricht, vielleicht mit ihnen einen Spaziergang macht und von Naturphänomenen, beziehungsweise, beim Picknicken über seine kulinarischen Vorlieben daherredet und danach zu Hause Kuschelsex will. Darum ging es euch also. Wieso dann diese jahrelange Verschlossenheit? Es ist doch nicht schlimm, wenn man Kuschelsex will. Ich habe nachgeforscht und man kann zwischen acht verschiedenen sexuellen Vorlieben wählen, die man jeglichem Suchendem sofort auf das Auge drücken kann, bevor dieser sich auch nur ansatzweise für eure Interessen, politischen Einstellungen oder Hobbys informieren kann und Kuschelsex ist da noch die harmloseste Variante.
Und letztens gehe ich durch dieses Einkaufszentrum in Amstetten und beim Café denke ich kurz darüber nach, ob ich mir eines dieser zweitklassigen Früchteeise die man in Amstetten bekommt, kaufen soll und da fährt es wie ein Blitz durch meinen Körper, als ich dich, Brigitte, dort sitzen sehe im Café. Mit einem zweitklassigen Eis in einem zweitklassigen Café in diesem zweitklassigen Einkaufszentrum in dieser Stadt. Und ein Blick war genug und mir wurde klar, dass deine Situation gerade zweitklassig ist. Nicht wissend was du sagen solltest, saß dir ein 40-jähriger mit Schnauzbart gegenüber. Dein nervöser genervter Blick verriet, das er wohl der einzige war, der dich nach langer Zeit auf dieser Seite "angestupst" hat, und dir in einer zweitklassigen Art vorgeschlagen hat, in dieses zweitklassige Café zu gehen. Wahrscheinlich eine 40-Jährige Jungfrau die Kuschelsex will, dachte ich. Brigitte, deine Abneigung war allgegenwärtig. Aber was willst du auch?
Jeder kann sich doch noch an diese Werbung erinnern, vor rund einer Dekade lief sie fortwährend im TV. Ein junger Mann, am Land an einem See oder Fluss lebend, verabschiedet sich von seinem Vater und behauptet er gehe in die Stadt. Er geht natürlich nur in sein Arbeitszimmer und gibt ein: „Kuschelsex“. Und am Abend nachdem der Vater ihn fragte, wie es gelaufen sei, erzählt er stolz, er hätte jemand kennenlernt. Und schwups, ist sie da, ein Bild von einer Frau lässt sich vom Fährmann zu diesen zwei Männern in die Einöde fahren. So wurde uns das Internet vor der Jahrtausendwende schmackhaft gemacht! Und? Wo ist jetzt diese Realität? Brigitte lebt in einer Stadt, zwar nur in einer zweitklassigen Kleinstadt aber immerhin. Diese 40-Jährige Jungfrau steht in keiner Relation zu dieser Frau im Boot. Was tun also, wenn man trotz Internet sein Leben lang nicht aus seiner Haut heraus kann?
wurmi - 4. September, 18:56





