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01 Österreich

Freitag, 4. September 2009

Kuschelsex

Ja, ich gebe es zu, ich konnte nicht widerstehen, es packte mich schließlich förmlich. Mich meinen voyeuristischen Ambitionen beugend, habe ich es getan: Ich ging auf eine namhafte Single Homepage und habe alle Frauen in meinem Alter im Umkreis von und in Amstetten, meinem Kindheits- und Jugendort, durchgeforstet. Das Ergebnis war geradezu erschreckend!

Ein Sammelsurium bekannter Gesichter, denen ich als präpubertierender, pubertierender und auch als postpubertierender immer wieder über den Weg gelaufen bin, mit manchen kurz unterhalten, mit den meisten jedoch nie ein Wort gewechselt, glotzten sie mich jetzt, nach jahrelangem Schweigen, nachdem ich schon die längste Zeit nicht mehr in Amstetten lebe, ja mittlerweile schon drei Mal meinen Wohnsitz gewechselt habe, plötzlich an, diese Mädchen, die sich teilweise in adrette Frauen verwandelt haben, mit einem derart verlangendem, hoffnungsvollem und inbrünstigem Blick, der meinen Puls in die Höhe schnellen lies.

Und ich muss es ehrlich sagen, ich habe nicht danach gefragt, es wurde mir sofort, ohne das ich es wissen wollte, offengelegt, Brigitte will Kuschelsex! Und Sandra auch. Diese beiden, die mir immer wie eine Betonwand erschienen sind, haben sich also nur hinter dieser mir erscheinenden Betonwand schüchtern versteckt und haben die ganze Zeit an nichts anderes gedacht, als an einen verständnisvollen Mann, der mit ihnen über weltliche Dinge spricht, vielleicht mit ihnen einen Spaziergang macht und von Naturphänomenen, beziehungsweise, beim Picknicken über seine kulinarischen Vorlieben daherredet und danach zu Hause Kuschelsex will. Darum ging es euch also. Wieso dann diese jahrelange Verschlossenheit? Es ist doch nicht schlimm, wenn man Kuschelsex will. Ich habe nachgeforscht und man kann zwischen acht verschiedenen sexuellen Vorlieben wählen, die man jeglichem Suchendem sofort auf das Auge drücken kann, bevor dieser sich auch nur ansatzweise für eure Interessen, politischen Einstellungen oder Hobbys informieren kann und Kuschelsex ist da noch die harmloseste Variante.

Und letztens gehe ich durch dieses Einkaufszentrum in Amstetten und beim Café denke ich kurz darüber nach, ob ich mir eines dieser zweitklassigen Früchteeise die man in Amstetten bekommt, kaufen soll und da fährt es wie ein Blitz durch meinen Körper, als ich dich, Brigitte, dort sitzen sehe im Café. Mit einem zweitklassigen Eis in einem zweitklassigen Café in diesem zweitklassigen Einkaufszentrum in dieser Stadt. Und ein Blick war genug und mir wurde klar, dass deine Situation gerade zweitklassig ist. Nicht wissend was du sagen solltest, saß dir ein 40-jähriger mit Schnauzbart gegenüber. Dein nervöser genervter Blick verriet, das er wohl der einzige war, der dich nach langer Zeit auf dieser Seite "angestupst" hat, und dir in einer zweitklassigen Art vorgeschlagen hat, in dieses zweitklassige Café zu gehen. Wahrscheinlich eine 40-Jährige Jungfrau die Kuschelsex will, dachte ich. Brigitte, deine Abneigung war allgegenwärtig. Aber was willst du auch?

Jeder kann sich doch noch an diese Werbung erinnern, vor rund einer Dekade lief sie fortwährend im TV. Ein junger Mann, am Land an einem See oder Fluss lebend, verabschiedet sich von seinem Vater und behauptet er gehe in die Stadt. Er geht natürlich nur in sein Arbeitszimmer und gibt ein: „Kuschelsex“. Und am Abend nachdem der Vater ihn fragte, wie es gelaufen sei, erzählt er stolz, er hätte jemand kennenlernt. Und schwups, ist sie da, ein Bild von einer Frau lässt sich vom Fährmann zu diesen zwei Männern in die Einöde fahren. So wurde uns das Internet vor der Jahrtausendwende schmackhaft gemacht! Und? Wo ist jetzt diese Realität? Brigitte lebt in einer Stadt, zwar nur in einer zweitklassigen Kleinstadt aber immerhin. Diese 40-Jährige Jungfrau steht in keiner Relation zu dieser Frau im Boot. Was tun also, wenn man trotz Internet sein Leben lang nicht aus seiner Haut heraus kann?

Samstag, 15. August 2009

Ghana Festival

plakatsommer2009

Unter Anderem mit einer Tanzaufführung der besten Frau von allen: Miri!

Die offizielle Homepage findest du hier.

Sonntag, 12. Juli 2009

Traum

Ich hatte einen Traum. Ich war inmitten eines Kriegsschauplatzes. Auf der einen Seite waren Hügel, auf denen zerbombte Häuser standen. Am Fuße der Hügel sah ich die Zelte der Militäreinheiten. Es waren weiße Zelte. Vor mir war Wald, links von mir war auch Wald und ein Fluss zog vorbei. Ich bekam Befehle von den Offizieren, die alle in ziviler Kleidung erschienen. Und nachdem ich den Befehlen nicht gehorchte, desavouierten sie mich. Ich fühlte mich unwohl und wollte zum Fluss. Doch der war versperrt durch einen Stacheldrahtzaun. Ich versuchte es dennoch und es gelang mir, mit ein paar Schrammen durch zu kriechen. Ich nahm die Natur und den Wald war. Das Flussufer war kühl und die Pflanzen in saftigem Grün. Am Flussufer fand ich lang vergessene persönliche Wertgegenstände. Ich sah sie an und wusste, dass sie nichts bedeuten. Dennoch nahm ich sie mit. Ich kroch zurück zu dem Kriegsschauplatz und mir kamen fliegende Kisten entgegen. Ich wehrte mich dagegen und schoss mit Steinen nach ihnen. Manchmal konnte ich sie zerstören, die meisten aber flogen weiter ins Unendliche. Die Menschen hassten mich. Ich spürte es. Sie orderten mich in das weiße Zelt, um mich zu exekutieren. Ich hatte noch immer meine Gegenstände in der Hand, als ich das Zelt betrat. Es war voller Gerümpel. Im Zelt nebenan hörte ich Menschen. Ich beschloss, sie zu besuchen. Es waren eine Frau und ein Mann, die sich unterhielten. Dann entfernte sich der Mann. Der Frau ging es nicht gut und ich versuchte, mit ihr ein Gespräch zu beginnen. Ich horchte ihrer Geschichte, die voller Leid war. Manchmal stellte ich eine Frage. Am Schluss des Traumes blickte die Frau in meine Augen und lächelte. Ich fühlte mich zu Hause.

Freitag, 26. Juni 2009

Armut

Darf ich vorstellen, Armut, eine ständig wachsende Gesellschaftsgruppe. Viel versteckt, aber auch oft nicht beachtet. Armut bedeutet Angst und Schmerzen, schlechter Schlaf und schlechtes Essen. Hat wirklich jeder die Chance? Ist uns wirklich alles offen? Ist es unsere Entscheidung, welche Schuhe wir tragen? Sind wir alle gleich viel Wert? Wieso kann ich all diesen Menschen mit ihren traurigen Gesichtern, mit verfranzten Jeans, mit alten Plastiksäcken und kaputten Turnschuhen nicht in die Augen schauen? Wieso vertrage ich ihre Blicke nicht? Es ist wie ein stiller Schrei, der schrill in mir dröhnt, wenn sich unsere Blicke kreuzen. Wieso schaust du mich von dort an und ich dich von hier? Wer hat das gewollt? Du? Ich? Dein Gott? Mein Gott? Unser Gott? Gibt’s einen Gott für dich? Bin ich gottlos? Was bringt es wenn ich dir jetzt Geld gebe? Damit erkläre ich mich dann einverstanden, dass du ein Armer bist und auf mich, der ich zwar kein Reicher aber auch kein Armer bin, angewiesen bist. Und du nimmst mein Angebot an, wir beschließen diesen Pakt, der uns, dich auf die Tatsache, dass du ein Armer bist und mich, auf die Tatsache, dass ich einer, dem ein Euro mehr oder weniger gleichgültig ist, bin, diskreditiert und ich meine wir diskreditieren uns beide. Wir beschreiben uns als etwas, dass wir nicht gewählt haben. Aber weißt du’s besser? Wieso solltest du dir überhaupt derlei Gedanken machen? Klar, dass ich derjenige bin, der da denkt, und was ist das für ein Beitrag? Ich will nicht, dass du dich so fühlst. Wie schmerzhaft ist dein Blick, und wie viel schmerzhafte Blicke gibt es? Und wie viele Menschen mit diesem, deinem Blick wandern hier täglich vorbei? Und wie viele Menschen mit diesem, deinem schmerzhaften Blick sind hier schon je vorbeigegangen? Meine Güte, was könnte das für eine Zahl sein? Was auch immer die Zahl aussagt, es ist eine Zahl wie Eins. Eins ist genauso eine Zahl wie jede andere auch. Was mache das für einen Unterschied ob du jetzt die Erste bist, oder ob vor dir schon eine große Zahl da war? Für mich keinen. Es ist dein Blick der weh tut.

Sonntag, 12. Oktober 2008

Schwarzkäppchen

Es war einmal ein kleines süßes Mädchen, das hieß Piroschka, vor der hatten alle große Achtung, da sie einem genau erzählen wusste, was sie später einmal werden wollte. Vor allem Ihre Großmutter war angetan von der Verlässlichkeit, ihrem adretten Kleidungsstil und ihrer Genauigkeit. Und weil sie im Heranwachsen nur von ihren Berufswünschen und der Notwendigkeit eines stabilen Wirtschaftsstandortes in ihrem Heimatland sprach, nannten sie bald alle Schwarzkäppchen. Natürlich lag diese ihre Einstellung auch an der Art der Erziehung die Piroschka im Elternhaus genossen hatte. Die Mutter war sehr stolz auf ihre Tochter und fühlte sich in ihrer strengen Erziehung bestätigt, als Schwarzkäppchen nach ihrem BWL Studium einen zukunftssicheren Job mit Führungsverantwortung bei der Raiffeisenkasse bekam. Am Tag bevor Piroschka ihren Dienst antrat nahmen Mutter und Tochter ein gemeinsames Abendessen ein. Wahrscheinlich das einzige für längere Zeit da das junge Bonzenmädl sich eine Garçonnière in Arbeitsplatznähe verschafft hatte und sich vornahm in der ersten Zeit ihrer Arbeit von jeglichen privaten Verpflichtungen fern zu bleiben. Die Mutter lies sich die eine Gelegenheit nicht nehmen um ihre Ermahnungen zur Genüge kund zu tun. Sie solle doch ihre Gefühle für sich behalten. Das Leben sei hart und sie mache es der Welt nicht leichter wenn sie das auch noch emotional ihrem Umfeld mitteile. Stets möge sie doch zuerst auf sich selbst schauen. Schließlich ist es ihr eigenes Leben und um das zu sichern, hat sie nicht viel davon, wenn sie sich für andere opfere. Sie solle ruhig in der ersten Zeit sich vor allem nicht um die Großmutter kümmern, da der Umgang mit ihr ja dermaßen zeitaufwendig, ermüdend und anstrengend sei.

Die Arbeit erfüllte Piroschka in vollen Zügen. Sie dachte in der ersten Zeit nicht eine Sekunde an Ihre Großmutter. Eines Tages kam der Geschäftsleiter der Filiale zu Schwarzkäppchen und machte sie darauf aufmerksam, dass sie jetzt schon nahezu 3 Monate hier arbeite jedoch noch keiner ihrer Familienangehörigen zumindest einen Bausparvertrag hier habe. Sie solle doch schnellsten daran was ändern. Ihre Existenz gefährdet sehend, machte sich die Dirne auf den Weg zu ihrer Großmutter. In ihrer rechten Hand ein Plastiksackerl voller Werbegeschenke und die vorbereiteten Verträge in der Linken einen Gabelbissen für die Großmutter als Wegwort. Es war natürlich eine Leichtigkeit der Alten eine Unterschrift aus ihren Fingern zu kitzeln, da diese ohnehin schon senil und mit einem Fuß im Jenseits stehend, gar keinen Schimmer hatte was Piroschka da von ihr wollte, jedoch in ihrer Freude sie wieder zu sehen einfach tat was sie sagte.

Es dauerte nicht lange und eine große Finanzkrise erschütterte die Welt. Anfangs versicherte man noch dem Kleinbürgertum es werde keinerlei Verluste für sie nach sich ziehen. Jedoch die Zeit zeigte, dass dem nicht so ist und die Leute wurden arbeitslos, Banken, Industrie und Dienstleistungen verstaatlicht. Ein Militärputsch der Regierung lies dann noch den Letzten, der seinen Job sichern konnte beschäftigungslos nach Hause gehen. Da Schwarzkäppchen noch jung und wenig Berufsjahre vorweisen konnte, war sie eine der Ersten die abdanken mussten. Ihr ganzes Kapital und das ihrer Familie wurde mehr als wertlos. So hatten sie keine Aussichten auf bessere Zeiten. Aber eines hatten sie jetzt. Zeit für die Familie. Und wenn sie nicht gestorben sind dann hungern sie zwar aber schätzen es noch heute, dass sie zumindest sich gegenseitig in harten Zeiten beistehen und ihr Leid teilen können.

Freitag, 8. Februar 2008

Sinnsprüche

Zan Essn und zan Betn soi ma neamd netn. (Zum Essen und zum Beten soll man niemanden zwingen.)

Daweu si da Große buckt, hots da Kloane zuckt. (Die Kleinen sind oft flinker als die Großen.)

Wer net bander, kâô net hausn. (Wer sich nicht provisorisch zu behelfen weiß, wird nichts erreichen.)

A guate Goschn is mehr wert wia a schlechte Baunkeischn. (Ein gutes Mundwerk ist mehr wert als ein altes Bauernhaus.)

Wia da Herr, so s Gscher. (Wie der Herr, so seine Untergebenen.)

Wos da Bau net kennt, frisst er net. (Bauern sind in allem sehr vorsichtig.)

Holler-kô is glei ban Lô. (Hollerröster ist sehr gut verdaulich.)

Jeder Sporer findt sein Zêhrer. (Für jeden Sparer findet sich jemand, der ihm das Geld wiederrum abnimmt.)

Hi und do findt a a blinde Henn a Kerndl. (Manchmal hat auch ein Pechvogel Glück.)

Hi und do foit a âna gscheitn Henn a Oa in Dreck. (Auch Alleskönner können einmal irren.)

Wo nix is, hot da Kaiser s Recht valorn. (Wer nichts hat, dem kann niemand was wegnehmen.)

Hei-nga soi ma, wonn d Sunn scheint. (Günstige Gelegenheiten muss man rasch ausnützen.)

Bessa wos dawort wia darennt. (Günstige Gelegenheiten kommen oft beim Abwarten, nicht beim Nachlaufen, also von selbst.)

Wer s Mäu net aufmocht, mocht n Bei-l auf. (Wer nicht um seine Sachen streitet, hat immer einen finanziellen Nachteil.)

Dummheit und Stoiz wochsn auf oan Hoiz. (Dumme Personen sind auch meistens stolz.)

Wos s Haus valiert, findt s Haus wieda. (Was im Haus verloren geht, wird dort auch wieder gefunden.)

A jeds Mandl hot sei Brandl. (Jeder Mann hat irgendwelche Schrullen oder Spleens.)

Üwagebm - nimma lebm. (Den Besitz übergeben bedeutet das Ende.)

Schwitzn wia a Firmgöd. (Der Firmpate kommt schnell ins Schwitzen, weil er bei einer Firmung viel zahlen muss.)

Schpeibm wia a Ho-zat-hund. (Wer zu viel isst, muss sich übergeben wie jene Hunde, die bei einer Hochzeit zu viel fressen bekommen.)

Zittern wia a Lampi-schwoaf. (Zittern wie der Schwanz eines Lammes, der auch ständig in Bewegung ist.)

Aufpassn wia a Haftlmocha. (Beim Anbringen der Schlaufen und Ösen am Webstuhl muss man sehr aufpassen, weil sonst Fehler in das Gewebte kommen.)

Umreißn wia an Schoas in der Reitta. (Es reißt einen hin und her wie einen Furz im Sieb, der auch nicht weiß, bei welchem Loch er hinaussoll.)

Schrêin wia a Zehnt-brecha. (Vor großem Schmerz schreien, als ob einem Zähne ausgebrochen werden.)

Keicha wia a Postroß. (Schwer atmen wie ein Zugpferd der Post, das sehr viel ziehen musste.)

Buglat, wia wonn a Bär soacht. (Krumm wie der Harnstrahl eines Ebers.)

Grinsn wia a neilackierts Hutschpferd. (Lächeln wie ein frisch gestrichenes Schaukelpferd.)

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Redst Niederösterreichsich?

Montag, 12. Februar 2007

Odé auf Österreich

Österreich die Üppigkeit der Gemütlichkeit.
Ein multikultureller Überfluss, in Symbiose mit regionalem Verdruss.

Österreich ist zu viel des Gutem.
Der Genuss und die wohnliche Bequemlichkeit eine Fassade. Irrational die Erörterungen unseres Gleichen in örtlichen Lokaltitäten. Viel Liebe fürs Detail und pedantischer Perfektionismus haben dieses Land in seiner Pracht geformt.

Zu jeder Zeit und zu allem die richtige Antwort parat, jedoch ein unbeschriebenes Blatt bei Ehrlichkeit. In jeder Hinsicht offen für alles, aber Tolerant zu nichts was von Aussen kommt.

Kaffeehausgetuschel und Weltkulturerbe.
Zwei Gegensätze die sich ohne den Anderen verschmähen würden.

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Zuletzt aktualisiert: 17. September, 18:41

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