Ja, ich gebe es zu, ich konnte nicht widerstehen, es packte mich schließlich förmlich. Mich meinen voyeuristischen Ambitionen beugend, habe ich es getan: Ich ging auf eine namhafte Single Homepage und habe alle Frauen in meinem Alter im Umkreis von und in Amstetten, meinem Kindheits- und Jugendort, durchgeforstet. Das Ergebnis war geradezu erschreckend!
Ein Sammelsurium bekannter Gesichter, denen ich als präpubertierender, pubertierender und auch als postpubertierender immer wieder über den Weg gelaufen bin, mit manchen kurz unterhalten, mit den meisten jedoch nie ein Wort gewechselt, glotzten sie mich jetzt, nach jahrelangem Schweigen, nachdem ich schon die längste Zeit nicht mehr in Amstetten lebe, ja mittlerweile schon drei Mal meinen Wohnsitz gewechselt habe, plötzlich an, diese Mädchen, die sich teilweise in adrette Frauen verwandelt haben, mit einem derart verlangendem, hoffnungsvollem und inbrünstigem Blick, der meinen Puls in die Höhe schnellen lies.
Und ich muss es ehrlich sagen, ich habe nicht danach gefragt, es wurde mir sofort, ohne das ich es wissen wollte, offengelegt, Brigitte will Kuschelsex! Und Sandra auch. Diese beiden, die mir immer wie eine Betonwand erschienen sind, haben sich also nur hinter dieser mir erscheinenden Betonwand schüchtern versteckt und haben die ganze Zeit an nichts anderes gedacht, als an einen verständnisvollen Mann, der mit ihnen über weltliche Dinge spricht, vielleicht mit ihnen einen Spaziergang macht und von Naturphänomenen, beziehungsweise, beim Picknicken über seine kulinarischen Vorlieben daherredet und danach zu Hause Kuschelsex will. Darum ging es euch also. Wieso dann diese jahrelange Verschlossenheit? Es ist doch nicht schlimm, wenn man Kuschelsex will. Ich habe nachgeforscht und man kann zwischen acht verschiedenen sexuellen Vorlieben wählen, die man jeglichem Suchendem sofort auf das Auge drücken kann, bevor dieser sich auch nur ansatzweise für eure Interessen, politischen Einstellungen oder Hobbys informieren kann und Kuschelsex ist da noch die harmloseste Variante.
Und letztens gehe ich durch dieses Einkaufszentrum in Amstetten und beim Café denke ich kurz darüber nach, ob ich mir eines dieser zweitklassigen Früchteeise die man in Amstetten bekommt, kaufen soll und da fährt es wie ein Blitz durch meinen Körper, als ich dich, Brigitte, dort sitzen sehe im Café. Mit einem zweitklassigen Eis in einem zweitklassigen Café in diesem zweitklassigen Einkaufszentrum in dieser Stadt. Und ein Blick war genug und mir wurde klar, dass deine Situation gerade zweitklassig ist. Nicht wissend was du sagen solltest, saß dir ein 40-jähriger mit Schnauzbart gegenüber. Dein nervöser genervter Blick verriet, das er wohl der einzige war, der dich nach langer Zeit auf dieser Seite "angestupst" hat, und dir in einer zweitklassigen Art vorgeschlagen hat, in dieses zweitklassige Café zu gehen. Wahrscheinlich eine 40-Jährige Jungfrau die Kuschelsex will, dachte ich. Brigitte, deine Abneigung war allgegenwärtig. Aber was willst du auch?
Jeder kann sich doch noch an diese Werbung erinnern, vor rund einer Dekade lief sie fortwährend im TV. Ein junger Mann, am Land an einem See oder Fluss lebend, verabschiedet sich von seinem Vater und behauptet er gehe in die Stadt. Er geht natürlich nur in sein Arbeitszimmer und gibt ein: „Kuschelsex“. Und am Abend nachdem der Vater ihn fragte, wie es gelaufen sei, erzählt er stolz, er hätte jemand kennenlernt. Und schwups, ist sie da, ein Bild von einer Frau lässt sich vom Fährmann zu diesen zwei Männern in die Einöde fahren. So wurde uns das Internet vor der Jahrtausendwende schmackhaft gemacht! Und? Wo ist jetzt diese Realität? Brigitte lebt in einer Stadt, zwar nur in einer zweitklassigen Kleinstadt aber immerhin. Diese 40-Jährige Jungfrau steht in keiner Relation zu dieser Frau im Boot. Was tun also, wenn man trotz Internet sein Leben lang nicht aus seiner Haut heraus kann?
wurmi - 4. September, 18:56
Unter Anderem mit einer Tanzaufführung der besten Frau von allen: Miri!
Die offizielle Homepage findest du
hier.
wurmi - 15. August, 09:31
Ich hatte einen Traum. Ich war inmitten eines Kriegsschauplatzes. Auf der einen Seite waren Hügel, auf denen zerbombte Häuser standen. Am Fuße der Hügel sah ich die Zelte der Militäreinheiten. Es waren weiße Zelte. Vor mir war Wald, links von mir war auch Wald und ein Fluss zog vorbei. Ich bekam Befehle von den Offizieren, die alle in ziviler Kleidung erschienen. Und nachdem ich den Befehlen nicht gehorchte, desavouierten sie mich. Ich fühlte mich unwohl und wollte zum Fluss. Doch der war versperrt durch einen Stacheldrahtzaun. Ich versuchte es dennoch und es gelang mir, mit ein paar Schrammen durch zu kriechen. Ich nahm die Natur und den Wald war. Das Flussufer war kühl und die Pflanzen in saftigem Grün. Am Flussufer fand ich lang vergessene persönliche Wertgegenstände. Ich sah sie an und wusste, dass sie nichts bedeuten. Dennoch nahm ich sie mit. Ich kroch zurück zu dem Kriegsschauplatz und mir kamen fliegende Kisten entgegen. Ich wehrte mich dagegen und schoss mit Steinen nach ihnen. Manchmal konnte ich sie zerstören, die meisten aber flogen weiter ins Unendliche. Die Menschen hassten mich. Ich spürte es. Sie orderten mich in das weiße Zelt, um mich zu exekutieren. Ich hatte noch immer meine Gegenstände in der Hand, als ich das Zelt betrat. Es war voller Gerümpel. Im Zelt nebenan hörte ich Menschen. Ich beschloss, sie zu besuchen. Es waren eine Frau und ein Mann, die sich unterhielten. Dann entfernte sich der Mann. Der Frau ging es nicht gut und ich versuchte, mit ihr ein Gespräch zu beginnen. Ich horchte ihrer Geschichte, die voller Leid war. Manchmal stellte ich eine Frage. Am Schluss des Traumes blickte die Frau in meine Augen und lächelte. Ich fühlte mich zu Hause.
wurmi - 12. Juli, 10:48
Darf ich vorstellen, Armut, eine ständig wachsende Gesellschaftsgruppe. Viel versteckt, aber auch oft nicht beachtet. Armut bedeutet Angst und Schmerzen, schlechter Schlaf und schlechtes Essen. Hat wirklich jeder die Chance? Ist uns wirklich alles offen? Ist es unsere Entscheidung, welche Schuhe wir tragen? Sind wir alle gleich viel Wert? Wieso kann ich all diesen Menschen mit ihren traurigen Gesichtern, mit verfranzten Jeans, mit alten Plastiksäcken und kaputten Turnschuhen nicht in die Augen schauen? Wieso vertrage ich ihre Blicke nicht? Es ist wie ein stiller Schrei, der schrill in mir dröhnt, wenn sich unsere Blicke kreuzen. Wieso schaust du mich von dort an und ich dich von hier? Wer hat das gewollt? Du? Ich? Dein Gott? Mein Gott? Unser Gott? Gibt’s einen Gott für dich? Bin ich gottlos? Was bringt es wenn ich dir jetzt Geld gebe? Damit erkläre ich mich dann einverstanden, dass du ein Armer bist und auf mich, der ich zwar kein Reicher aber auch kein Armer bin, angewiesen bist. Und du nimmst mein Angebot an, wir beschließen diesen Pakt, der uns, dich auf die Tatsache, dass du ein Armer bist und mich, auf die Tatsache, dass ich einer, dem ein Euro mehr oder weniger gleichgültig ist, bin, diskreditiert und ich meine wir diskreditieren uns beide. Wir beschreiben uns als etwas, dass wir nicht gewählt haben. Aber weißt du’s besser? Wieso solltest du dir überhaupt derlei Gedanken machen? Klar, dass ich derjenige bin, der da denkt, und was ist das für ein Beitrag? Ich will nicht, dass du dich so fühlst. Wie schmerzhaft ist dein Blick, und wie viel schmerzhafte Blicke gibt es? Und wie viele Menschen mit diesem, deinem Blick wandern hier täglich vorbei? Und wie viele Menschen mit diesem, deinem schmerzhaften Blick sind hier schon je vorbeigegangen? Meine Güte, was könnte das für eine Zahl sein? Was auch immer die Zahl aussagt, es ist eine Zahl wie Eins. Eins ist genauso eine Zahl wie jede andere auch. Was mache das für einen Unterschied ob du jetzt die Erste bist, oder ob vor dir schon eine große Zahl da war? Für mich keinen. Es ist dein Blick der weh tut.
wurmi - 26. Juni, 21:45
Es war einmal ein kleines süßes Mädchen, das hieß Piroschka, vor der hatten alle große Achtung, da sie einem genau erzählen wusste, was sie später einmal werden wollte. Vor allem Ihre Großmutter war angetan von der Verlässlichkeit, ihrem adretten Kleidungsstil und ihrer Genauigkeit. Und weil sie im Heranwachsen nur von ihren Berufswünschen und der Notwendigkeit eines stabilen Wirtschaftsstandortes in ihrem Heimatland sprach, nannten sie bald alle Schwarzkäppchen. Natürlich lag diese ihre Einstellung auch an der Art der Erziehung die Piroschka im Elternhaus genossen hatte. Die Mutter war sehr stolz auf ihre Tochter und fühlte sich in ihrer strengen Erziehung bestätigt, als Schwarzkäppchen nach ihrem BWL Studium einen zukunftssicheren Job mit Führungsverantwortung bei der Raiffeisenkasse bekam. Am Tag bevor Piroschka ihren Dienst antrat nahmen Mutter und Tochter ein gemeinsames Abendessen ein. Wahrscheinlich das einzige für längere Zeit da das junge Bonzenmädl sich eine Garçonnière in Arbeitsplatznähe verschafft hatte und sich vornahm in der ersten Zeit ihrer Arbeit von jeglichen privaten Verpflichtungen fern zu bleiben. Die Mutter lies sich die eine Gelegenheit nicht nehmen um ihre Ermahnungen zur Genüge kund zu tun. Sie solle doch ihre Gefühle für sich behalten. Das Leben sei hart und sie mache es der Welt nicht leichter wenn sie das auch noch emotional ihrem Umfeld mitteile. Stets möge sie doch zuerst auf sich selbst schauen. Schließlich ist es ihr eigenes Leben und um das zu sichern, hat sie nicht viel davon, wenn sie sich für andere opfere. Sie solle ruhig in der ersten Zeit sich vor allem nicht um die Großmutter kümmern, da der Umgang mit ihr ja dermaßen zeitaufwendig, ermüdend und anstrengend sei.
Die Arbeit erfüllte Piroschka in vollen Zügen. Sie dachte in der ersten Zeit nicht eine Sekunde an Ihre Großmutter. Eines Tages kam der Geschäftsleiter der Filiale zu Schwarzkäppchen und machte sie darauf aufmerksam, dass sie jetzt schon nahezu 3 Monate hier arbeite jedoch noch keiner ihrer Familienangehörigen zumindest einen Bausparvertrag hier habe. Sie solle doch schnellsten daran was ändern. Ihre Existenz gefährdet sehend, machte sich die Dirne auf den Weg zu ihrer Großmutter. In ihrer rechten Hand ein Plastiksackerl voller Werbegeschenke und die vorbereiteten Verträge in der Linken einen Gabelbissen für die Großmutter als Wegwort. Es war natürlich eine Leichtigkeit der Alten eine Unterschrift aus ihren Fingern zu kitzeln, da diese ohnehin schon senil und mit einem Fuß im Jenseits stehend, gar keinen Schimmer hatte was Piroschka da von ihr wollte, jedoch in ihrer Freude sie wieder zu sehen einfach tat was sie sagte.
Es dauerte nicht lange und eine große Finanzkrise erschütterte die Welt. Anfangs versicherte man noch dem Kleinbürgertum es werde keinerlei Verluste für sie nach sich ziehen. Jedoch die Zeit zeigte, dass dem nicht so ist und die Leute wurden arbeitslos, Banken, Industrie und Dienstleistungen verstaatlicht. Ein Militärputsch der Regierung lies dann noch den Letzten, der seinen Job sichern konnte beschäftigungslos nach Hause gehen. Da Schwarzkäppchen noch jung und wenig Berufsjahre vorweisen konnte, war sie eine der Ersten die abdanken mussten. Ihr ganzes Kapital und das ihrer Familie wurde mehr als wertlos. So hatten sie keine Aussichten auf bessere Zeiten. Aber eines hatten sie jetzt. Zeit für die Familie. Und wenn sie nicht gestorben sind dann hungern sie zwar aber schätzen es noch heute, dass sie zumindest sich gegenseitig in harten Zeiten beistehen und ihr Leid teilen können.
wurmi - 12. Oktober, 12:58
wurmi - 8. Februar, 11:37
In Eudossia, das sich nach oben und nach unten erstreckt mit seinen winkeligen Sträßchen, Treppen, Sackgassen, Elendshütten, bewahrt man einen Teppich auf, auf dem du die wahre Gestalt der Stadt betrachten kannst. Auf den ersten Blick scheint nichts weniger Eudossia zu gleichen als die Zeichnung des Teppichs, eine Anordnung symmetrischer Figuren, die an Geraden und Kreisen entlang ihre Motive wiederholen, und gewoben aus Wollle schönster Farben, deren abwechselnden Verlauf du auf dem ganzen Gewebe verfolgen kannst. Verweilst du aber und betrachtest ihn aufmerksam, wirst du dich davon überzeugen, dass einer jeden Stelle des Teppichs eine Stelle in der Stadt entspricht und dass alle in der Stadt vorhandenen Dinge in der Zeichnung enthalten sind, geordnet nach ihren wahren Beziehungen, die deinem vom Hinundher, vom Gewimmel, vom Gedränge abgelenkten Auge entgehen. Das ganze Durcheinander von Eudossia, Eselsralen, Rußflecken, Fischgeruch, erscheint dir nur in der Teilperspektive, die du erfaßt; der Teppich aber beweist, dass es einen Punkt gibt, von wo aus die Stadt ihre wahren Proportionen, das geometrische Schema in jeder ihrer kleinsten Einzelheiten zeigt.
Man kann sich leicht verirren in Eudossia; doch wenn du dich darauf konzentrierst, den Teppich fest anzusehen, erkennst du die Straße, die du gesucht hast, in einem cremefarbenen oder indigoblauen oder amarantfarbenen Faden, der dich über einen langen Umweg in ein purpurnes Feld führt, dein eigentliches Ziel. Jeder Einwohner von Eudossia vergleicht an der unbeweglichen Ordnung des Teppichs eins seiner Bilder von der Stadt, eine seiner Ängste, und jeder kann eine in den Arabesken versteckte Antwort finden, die Erzählung seines Lebens, die Wendungen des Schicksals.
Über den geheimnisvollen Zusammenhang zwischen zwei so verschiedenen Dingen wie Teppich und Stadt hat man ein Orakel befragt. Das eine der beiden - lautete die Antwort - hat die Form, die von den Göttern dem gestirnten Himmel und den Bahnen verliehen wurde, auf denen die Welten kreisen; das andere ist nur ein annähernder Abglanz, wie jedes Menschenwerk.
Die Auguren waren sich seit langem sicher, dass die harmonische Zeichnung des Teppichs göttliches Werk sei; in diesem Sinne wurde das Orakel ausgelegt, ohne dass man Zweifel daran hätte aufkommen lassen. Doch ebensogut kannst du die entgegengesetzte Schlussfolgerung ziehen: dass die wahre Karte des Universums die Stadt Eudossia sei, wie sie ist, ein Klecks, der sich formlos ausbreitet, mit lauter kreuz und quer verlaufenden Straßen, Häusern, die eins über dem andern in dicken Staub stürzen, Feuersbrünsten, Schreien im Dunkel.
Italo Calvino - Die unsichtbaren Städte
wurmi - 7. Februar, 09:26
Der internationalste Steirerhut. Laender von links nach rechts: Mongolei, China, Tibet, Nepal, Indien
Nach einer bisher 4 monatigen Reise, werden wir in der naechsten Zeit unsere letzte Destination, vor der Heimreise erreichen. Wir haben, so wie gewollt, seither alle Laender auf dem Landweg bereist. Unser letztes Ziel wird das gewaltige Indien sein und wird fast die Haelfte unserer insgesamt geplanten Reisezeit in Anspruch nehmen.
Und wie man oben sehen kann der Steirerhut war stets dabei und hat den Mostviertler bei seinen Reisen im Osten begleitet. Die weltbekannten Rundungen des Steirerhutes dienten stets als deutliches Erkennungsmerkmal fuer die Einheimischen. So blieb es mir groesstenteils erspart den lokalen Menschen den Unterschied zwischen Austrialien und Austria zu erklaeren, was sehr angenehm war.
wurmi - 9. September, 12:49
Nach einer insg. 34 Stunden Fahrt sind wir verkatert in Kathmandu angekommen. Da der Jeep schon voll war durfte ich im Kofferraum auf dem Notsitz Platz nehmen. Was sich schnell als der angenehmste Sitz im ganzen Jeep rausgestellt hat. Da in der vorderen 3 und in der hinteren Reihe 4 Leute gesessen haben. Ich habs mir dagegen mit den Rucksaecken von den ganzen Leuten gemuetlich gemacht und hatte Entscheidungsprobleme was ich als Polster nehmen sollte.
Seit wir unsere Reise begonnen haben, haben wir insgesamt schon weit ueber 100 Stunden in den ungemuetlichsten Transportmitteln verbracht. Der Rekord waren auf 11 Sitzplaetze 21 Leute in der Mongolei in einem russischen Gelaendefahrzeug aus dem Jahre 1955. Das ekligste war der Schlafbus, der sich auch einen eigenen Beitrag verdient hat. Und das angenehmste war die Transsib von Beijing in die Mongolei. Der Zug war zwar vom alten Schlag, aber dafuer konnte man sich immer kochendes Wasser fuer Tee holen und die Bettlacken waren frisch gewaschen.
Nepal ist fuer uns seit langem wieder mal ein Land zum durchatmen. Die Leute sind irrsinnig gastfreundlich. Es ist eine Leichtigkeit mit ihnen ins Gespraech zu kommen. Auch das rumreisen wird einem nicht schwer gemacht. Man kann immer die oeffentlichen benutzen, sofern es welche zu der Destination gibt. Verglichen mit China und Tibet ein Traum.
Wir haben jetzt ca. 2 Monate Visum fuer Nepal die wir aber nicht komplett nutzen werden, da uns sonst die Zeit zu knapp wird in Indien.
wurmi - 17. August, 14:30
wurmi - 11. August, 08:27
Wenn einem ein Land auf den Ersten Blick nicht in seinen Bann zieht, schaut man am Besten tiefer in das Leben der Menschen. Packt es einem noch immer nicht sollte man selbst packen. Bei Tibet hat der erste Eindruck ohne Frage versagt. Die Hauptstadt Lhasa, vermittelt einem nicht das Bild, das man von diesem Volk hat. Durch den Zug, der seit letztem Jahr nach Lhasa faehrt, hat diese Stadt in der ersten Haelfte d.J. jetzt schon die doppelte Anzahl an Touristen, die es im Ganzen letzten Jahr hatte! Dass hat natuerlich einen markanten Einschnitt in das Stadtbild genommen. Die Altstadt wird immer kleiner, alte tibetische Haeuser werden abgerissen, an ihre Stelle kommen Kaeufhaeuser und Touristenlaeden. Wenn man den Reisefuehrern Glauben schenkt, wird man in ein paar Dekaden die Tibeter wie die Nadel im Heuhaufen hier suchen koennen.
Um uns diesem Touristentroubel und traurigen Anblick zu entziehen, sind wir auf eigene Faust ins Land gefahren. Was nicht so einfach ist, da es ueberall Strassensperren gibt, wo die chinesische Armee, Touristen die nicht ohne Gruppe reisen, nicht durchlaesst. Jedoch gibt es immer einen Weg um diese Sperren. Wir hatten eine kleine Wegbeschreibung von einer drei Tages Tour ueber einen 5000 m Pass zu dem aeltesten Kloster in Tibet. Was wir in dieser kurzen Zeit erlebt haben, ist unglaublich. In den Bergen leben Tibeter, aehnlich wie in der Mongolei als Nomaden. Gleich am Anfang haben sich zwei junge Tibeter uns angeschlossen und fuehrten uns durch die Doerfer. Unsere Wegbeschreibung war bis auf kurze Strecken ueberfluessig, da uns immer geholfen wurde. Nachdem die zwei ihre eigenen Wege gingen und wir eine kleine Pause einlegten schliefen wir ein. Als ich die Augen aufmachte sah ich, dass es sich zwei Tibeter neben uns gemuetlich gemacht hatten und gewartet haben bis wir aufwachen. Sie haben unser Gepaeck genommen und es auf die Yak-Kuehe befestigt. Der uns bevorstehende Aufstieg auf ueber 4000 m wurde uns so um einiges erleichtert. Die Hoehe machte uns ganz schoen zu schaffen. Man geht 5 Schritte und hat das Gefuehl einen Sprint zurueckgelegt zu haben. Wir mussten erst lernen welches Tempo, das Richtige ist. Die Bergtibeter schnupften sich staendig irgendwas durch die Nase, dass einem das Atmen leichter macht. Ich habs natuerlich auch ausprobiert und musste husten und schneutzen wie ein Irrer. Als wir bei deren Zelt ankamen, dass aus Yakhaaren gemacht ist, bauten wir unser Lager auf. Wir bekamen zu essen und trinken. Tsampa, ein Gersteteig mit Karamelstuecken und einen Tee der sehr fettig durch die enthaltene Yakbutter ist.
Am naechsten Tag hatten wir den hohen Pass vor uns. Da die Familie nicht mitkam mussten wir jetzt unsere Sachen wieder selbst schleppen. Dieses Stueck gehen, war eines der anstrengensten Sachen die ich je gemacht habe. Ein kleiner Vorgeschmack auf Nepal. Danach gings zum Glueck nur noch steil bergab. Jede Familie die wir trafen, lud uns zum essen ein. Eigentlich haetten wir gar nicht so viel mitnehmen muessen. Unser naechstes Lager schlugen wir in einer bewaldeten Schlucht auf neben einem rauschenden Fluss. Obwohl der Fluss sehr laut war, hatten wir keine Probleme mit einschlafen.
Danach gings nur noch gerade aus und ein bisschen abwaerts. Wir erreichten das Kloster am spaeten Nachmittag. Da es in diesem kleinen Ort auch ein Guesthouse gab, konnten wir die naechste Nacht in einem gemuetlichen Betterl schlafen. Das Kloster war das beeindruckendste, dass wir bisher auf unsrer Reise gesehen haben. Da wir frueh morgens schon dort waren, konnten wir den Touristenfluten etwas ausweichen, und waren beim Gebet der tibetischen Moenche dabei.
Beim Weg zurueck nach Lhasa, mussten wir, um den Kontrollpunkten der Chinesen auszuweichen, einen Fluss mit einer Faehre ueberqueren und uns von der anderen Seite einen Bus nehmen.
Also Tibet hat uns beim zweiten Anblick ohne Frage gepackt. Die Erlebnisse in diesen Tagen haben uns gezeigt wie magisch dieses Land und die Leute sind. Schade, dass es so schwierig ist derlei Eindruecke zu bekommen.
wurmi - 5. August, 05:37
Griass Gott beinaund!
Nach langer Pause mal wieder ein kleines Posting. Mit Bildern schaut's net so vielversprechend aus, da meine Kamera noch vom alten Schlag ist. Ein Mongole hat von uns ein paar Bilder auf seiner Digitalkamera gemacht, hat aber seither sein Versprechen noch nicht eingeloest, sie uns zu schicken.
Uns geht's (eh klar) gut. Seit heute morgen sind wir wieder in Beijing. Nach einem Monat Aufenthalt in der nahezu Menschenleeren Mongolei, ein glatter Schock. In der Mongolei bietet wunderschoene Bilder in der Natur. Es soll das am wenigsten besiedelte Land sein auf dieser Erde. Die Mongolen selbst sind bis zum geht nicht mehr gastfreundlich, und immer gut gelaunt. Miri und ich haben es bis zum letzten Moment genossen.
Von der Grenze mussten wir einen Schlafbus nehmen, da die Transsib die naechsten zwei Monate ausgebucht gewesen war. Schlafbus, nennt man dieses grauslige Vehicel moeglicherweise auch nur deshalb, weil statt Sitzen kleine Matratzen drinnen sind. Schlafen kann man nicht wirklich. Abgesehen davon, dass die Matratzen wenn es gut geht einen halben Meter Breite nur zusammenbringen, und der Polster eine Metallbuechse ist, in dem die Fuesse desjenigen gesteckt sind, der hinter einem schlaeft. Der Bus bietet einem exzellente Duefte von 40 Leuten die mit einem ihr Leid teilen. Und da es in China so gut wie keine Nichtraucherzonen gibt, muss das in einem Bus, in dem die Fenster nicht zu oeffnen sind, auch nicht sein. Zum Glueck sind wir 3 Stunden vor Plan in Beijing angekommen.
Unser weiterer Plan steht noch in den Sternen. Entweder wir nehmen die Route ueber Tibet und Nepal nach Indien. Und schliessen unsere Reise in Thailand. Oder wir fahren in das Suedwestliche China, ueber Reisfelder und wunderschoene Landschaften, nach Laos und Thailand und beenden in Indien.
Wie es auch kommen mag, es wird sicher lustig.
wurmi - 10. Juli, 03:47
Barta´a ist ein Dorf am Nordwestlichen Rand der Westbank. Die Einwohner leben in einer speziellen Situation. Nach der Grenze von 1948 nach dem Unabhaengigkeitskrieg, fiel es in palaestinensisches Gebiet. Nach dem 6-Tage-Krieg 1967 zog sich die Gruene Linie genau durch das Dorf und teilte so 3 000 Einwohner auf israelischer Seite von 4 000 auf palaestinensischer. Diese Grenze ist zwar nur imaginaer trotzdem haben die Einwohner auf der palaest. Seite Nachteile. Vor 5 Jahren, nach Ausbruch der Intifada und der Besetzung der Westbank wurde ein Checkpoint errichtet. Dieser steht 5 km von Barta´a entfernt, inmitten der Westbank.
Die 4 000 auf palaestinensischer Seite Lebenden, wurden so praktisch von ihrem eigenen Land abgegrenzt. Da ein Checkpoint taegl. nur von 8.00 - 21.00 geoeffnet ist und an allen juedischen Feiertagen geschlossen, erschwert es z.B. in akkuten Notfaellen den Transport von Patienten in besser ausgeruestete Kliniken. Und obwohl es keine richtige Grenze nach Israel gibt, ist es den Palaestinensern nicht erlaubt in Notfaellen nach Tel Aviv oder Haifa zu fahren. Dafuer muessten sie ein Visum beantragen, welches im Normalfall ca. eine Woche dauert. Welches wiederrum nur fuer medizinische Gruende verwendet werden darf. Will man jemanden besuchen gibt es ein extra Visum, will man Handel betreiben auch.
Als besonderer Gast an diesem Peace Walk war der Vizegouverneur von Jenin geladen. Er hat vorher lange um ein Aufenthaltsvisum fuer Israel gekaempft und hat es letztenendes fuer 3 Monate bekommen. Er hat uns erzeahlt, als er diesen Morgen um 8.00 Uhr puenktlich zum Checkpoint kam, musste er obwohl jemand anwesend war 1 1/2 Stunden warten, bis man ihn durchlies. Warum konnte er uns nicht beantworten. Trotz seiner wenigen Englischkenntnisse war es ihm ein wichtiges Anliegen uns so viel wie Moeglich von seiner Stadt und der Situation mitzuteilen. Er hat mich eingeladen nach Jenin zu kommen. Leider kann ich diese Einladung nicht entgegennehmen, da der einzige Weg nach Jenin zu kommen ueber Jerusalem ist, und an mehreren Checkpoints vorbeigeht. Es wuerde einen halben Tag benoetigen fuer eine Strecke von vielleicht 40 km wenn, man von Harduf ausgeht, der Ort in dem ich hier lebe.
Der Peace Walk ging vom Zentrum in Barta´a bis zum Checkpoint. Anfangs waren wir vielleicht 70 Leute. Als wir durch die arabische Stadt gingen vermehrte sich unsere Gruppe derart, dass ich als wir die Stadt verliesen, das Ende der Menschenschlange nicht mehr sehen konnte. Wie stark man hier nach Frieden hungert wurde mir einmal mehr bewusst.
wurmi - 24. Mai, 20:21
Im Sondertarif, der eigentlich den Fahrpreisen der OEBB aehnelt, sind wir gestern von Sharm El Sheikh nach Dahab gefahren.
Es gibt drei Dinge an die man sich sofort in einem arabischen Land gewoehnen muss. Das Erste ist, jeder Preis den du fuer irgendetwas bekommst, ist zwei oder drei mal teilbar. Genau wie bei uns bestimmt das Angebot und die Nachfrage. An einem Platz wie den Flughafen an dem taeglich, der Kultur Fremde Touristen, wie Wellen an den Strand gespuehlt, hier der nackten Realitaet ausgesetzt werden, ist die Nachfrage gross, und das Angebot wird von den Zahlenden selbst, in ueberdimensionalen Preisen gehalten. So kostete eine Fahrt vom Flughafen nach Dahab (100 km) anfangs 400 aegyptische Pfund fuer jeden. Nach langer Diskussion mit jeden dort anwesenden Taxifahrer, wiederholtem weglaufen wegen zu hoher Preise, zahlten wir dann pro Person nur noch 75 Pfund. Er hat uns jedoch gebeten ihm das Geld nicht im Augenwinkel der anderen Mitfahrer zu geben.
Das Zweite ist die Zeit. Die von uns Westlern immer so gut eingeteilte, genutzte und wertvolle Zeit. Die gibt es hier nicht. Und wenn dann nur inshalla. Was bei den Preisangaben das teilen ist, ist bei den Zeitangaben das multiplizieren. Am Besten man legt die Hoffnung ab, dass die versprochene Wartezeit wirklich eingehalten wird und wenn man eine Uhr mit sich traegt, dann die besser auch.
Das Dritte ist die Hitze. Ein staendiger Begleiter. Unser Ventilator im Hotelzimmer hat nur den Nutzen, dass die Gelsen nicht allzu ungemuetlich sind und einem wegen dem Geraeusch ein zwei Stunden Schlaf geraubt werden.
Sich an diese drei Dinge gewoehnen ist die halbe Miete fuer einen angenehmen Aufenthalt.
wurmi - 11. Mai, 17:31